ÄLTERE ARBEITNEHMER
Oder auch: Die Kurzsichtigkeit der Wirtschaft

Um die Renten langfristig finanzieren zu können, sollen wir immer länger arbeiten, am besten bis 75. Doch, wenn es darauf ankommt, sind es zumeist die älteren Arbeitnehmer, die zuerst gekündigt oder gar nicht erst eingestellt werden. Hier erweist sich die Wirtschaft als kurzsichtig oder auch als schlicht und ergreifend dumm.
Welche Vorteile sollen jüngere Arbeitnehmer überhaupt haben, dass sie so
bevorzugt werden?
- Sie haben sehr viel weniger Berufserfahrung, bringen oft nichts weiter mit
als irgendwelchen blödsinnigen Kram, den sie in der Schule oder im Studium
auswendig gelernt haben, der in der Praxis aber nicht anwendbar ist.
- Aus dem gleichen Grund sind sie auch schlechter ausgebildet.
- Wenn ihnen zwischendrin einfällt, eine Familie gründen zu wollen, muss man
das als Unternehmer mittragen (Schwangerschaftsurlaub, Elternzeit, Krankheiten
der Kinder). Ältere Arbeitnehmer haben dieses Abenteuer in der Regel schon
hinter sich.
- Fleiß, Pflichtbewusstsein, Engagement, Verantwortungsbewusstsein und gutes
Auftreten sind nicht unbedingt Attribute, die man jungen Leuten zurechnen
würde.
Dies soll kein Plädoyer gegen jüngere Arbeitsnehmer werden. Schul- und
Studienabgänger brauchen natürlich einen Job, um irgendwann einmal Berufserfahrung
aufweisen zu können.
Dies soll auch kein Plädoyer gegen die Einstellung von Frauen und jungen
Familienvätern werden. Die brauchen natürlich auch einen Job.
Es soll aber ein Plädoyer dafür sein, dass ältere, berufserfahrene Arbeitnehmer
in einer gesunden Firma unverzichtbar sind.

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Eine gute wirtschaftliche Leistung erbringt eine Firma vor allem dann, wenn sie Arbeitnehmer aus allen Altersgruppen aufzuweisen hat. Junge Leute mit frischen Ideen und alte Hasen, die ihnen sagen, warum diese Ideen nicht funktionieren oder wie sie funktionieren könnten. Leute, die einen Betrieb in- und auswendig kennen, weil sie inzwischen zum Inventar gehören, damit verwurzelt sind und ein Traditionsempfinden haben, sind ebenso wichtig wie der unverstellte Blick eines Neulings, der an den Grundfesten rüttelt.
Auch die Neueinstellung älterer Arbeitnehmer lohnt sich immer. Sie bringen
einen reichen Erfahrungsschatz mit und vor allem sind sie es gewöhnt zu
arbeiten. Sie bleiben also nicht wegen eines Schnupfens zu Hause, fallen
wegen eines Irokesenschnitts unangenehm auf oder treten umgehend in das
nächste Fettnäpfchen, das für sie bereit steht.
Natürlich ist dies etwas überspitzt gezeichnet. Die wenigsten Berufsanfänger
fallen derart unangenehm auf. Und doch kann man sich bei älteren Arbeitnehmern
eher sicher sein, dass sie nicht so schnell aus der Rolle fallen.
Bliebe noch: "wenn ich einen 50jährigen einstelle, bleibt der ja nicht lange
in der Firma. Der geht bald in Rente, wenn ich Pech habe, wird er sogar
Frührentner."
Komisch, dass das Bild von "ab 50 ist man alt und ab 60 ein tatteriger Greis"
noch so sehr in unserer Gesellschaft verankert ist. Die Generation 50+ ist
heute fitter denn je.
Und da wäre noch: "ein erfahrener Arbeitnehmer kostet viel mehr, weil er
aufgrund seiner Erfahrung in eine höhere Gehaltsklasse einzustufen ist".
Ausnahmsweise mal richtig. Aber: es wird Zeit, dass "sich Arbeit wieder lohnt",
wie es in populistischen Schlagwörtern so schön heißt. Ich würde eher sagen:
es wird Zeit, dass Arbeit und vor allem Erfahrung wieder wertgeschätzt wird.
Wer mit seiner Erfahrung drei Neulinge locker in die Tasche stecken kann,
sollte auch mehr verdienen, allein schon, weil er dem Unternehmen nützt und
zu dessen Gewinn beiträgt.
(Autor: IGiveInToSin)

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