DIE ANTI-SOMMER-KOLUMNE

Ich gestehe hiermit öffentlich, ein Sommerhasser zu sein. Die wenigsten Menschen werden mich verstehen, denn die meisten warten den ganzen Winter über sehnsüchtig auf den Frühling, bejubeln den ersten "schönen" Tag im Jahr und hängen fortan mit Begeisterung draußen rum.
Nun - ich nicht. Ich hasse Gartenarbeit, aber ich mag frisches Gemüse.
Frühjahr bedeutet also: raus in den Garten, mehrere Hektar umgraben, Beete
anlegen, pflanzen, säen, jäten. Davon kriege ich Rückenschmerzen und
schlechte Laune.
(Ich will einen Gartensklaven! Aussagekräftige Bewerbungen sind in diesem
Thread abzugeben.)
Ich habe eine Sonnenallergie. Wenn man längere Zeit draußen ist, hantiert
man mit teurer Anti-Allergie-Sonnenmilch. Wenn man nur kurz rausgeht, juckt
es hinterher am ganzen Körper. Davon kriege ich verdammt schlechte Laune.
Außerdem habe ich Heuschnupfen. Zumindest in den tollen "Wonnemonaten" Mai
und Juni. Davon bekomme ich noch schlechtere Laune.
Von plötzlichen Wetterumschwüngen von kalt auf warm, von schwüler Luft kurz vor einem Gewitter und von Temperaturen über 25° C (in der Sonne wohlgemerkt) bekomme ich Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen - und sehr, sehr schlechte Laune.
Dementsprechend machen auch Freizeitaktivitäten wie Laufen oder
Radfahren etc. keinen Spaß. Picknick schon gar nicht, wenn man inmitten einer
blühenden Wiese sitzt und dauernd niest.
Freibäder sind das Grauen schlechthin. Ein Haufen Leiber, die wie Ölsardinen
in einer Dose nebeneinander auf einer Wiese rumliegen oder sich in ein
überfülltes Becken quetschen, das nach Chlor stinkt.
Badeseen bedeuten eine lange Anfahrt mit dem Rad oder in einem stickigen
Auto - um dann 10 Minuten zu baden und danach nicht zu wissen, was man tun
soll.

Eigenes Bild, aufgenommen auf Bornholm
Ich finde "am Strand sein" ebenso öde wie "im Garten sitzen". "Am Strand
sein" ist das Ödeste seit Erfindung der Menschheit. Es ist sch***warm und nach
spätestens zwei Stunden hat man alle Aktivitäten durch (Schwimmen, eincremen,
lesen, Männern auf den A*** gucken).
"Im Garten sitzen" geht auch nur mit einem Buch. Als Schnellleser habe ich
das auch entsprechend schnell durch. Und für körperliche Betätigungen ist es
eben zu warm.
Für an sich aktive Menschen, die Wärme nicht vertragen, ist Sommer eine einzige Qual. Sie haben keinen Sinn für "sich entspannen", werden aber durch Hitze und Allergien in ihrem Tatendrang gehemmt. Das macht verdammt schlechte Laune!
Ich hätte nicht das Mindeste gegen eine kleine Eiszeit einzuwenden.
Stattdessen behaupten Klimaforscher, es würde immer wärmer und stellen
beängstigende Prognosen mit drei Unbekannten auf. (Sprich: es muss nicht
so kommen, könnte aber.)
Der Winter 2009/10 war verdammt lang und kalt. Ich habe ihn geliebt.
Das Frühjahr 2010 war verdammt kalt. Ich habe es geliebt.
Nun wird es wärmer, und all die Probleme kehren wieder, die mir den Sommer
stets gründlich verderben.
Gibt es da draußen wirklich nur Menschen, die sich über das "schöne" Wetter freuen? Gibt es keinen, der sich wie ich wünschte, der Sommer wäre bereits überstanden, noch ehe er richtig angefangen hat?
(Autor: IGiveInToSin)

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