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BESUCH EINER AUSSTELLUNG

Die langjährigen Freunde Stephen und Ethan besuchen die Kunstausstellung der berühmten Iustitia, die mit ihrer kritisch modernen Auffassung der sieben Todsünden den Sprung zum Welterfolg schaffte. Während sie von Bild zu Bild wandern, unterhalten sie sich. Das Youndercover-Team hat das Gespräch eingefangen.

Teil 5: IGNORANZ

Siehe dazu auch diesen Artikel: Ignoranz.

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Stephen: "Eigentlich war ich bei Ignoranz - womit wir beim Thema des nächsten Bildes wären. Trägheit des Herzens. Ist es nicht vermessen, alles und jeden in Sünder und tugendhaften Menschen zu unterteilen?"

Ethan: "Wer tut das eigentlich schon so akribisch in unser heutigen Zeit? Dieses Bild erinnert mich an ein eher normales Teenagerzimmer ..."

Stephen: "Das tun mehr als du so denkst. Die einen brechen bewusst mit Tugenden, die anderen verurteilen die Sünder – und das alles unter dem Deckmantel der toleranten Gesellschaft. Pure Heuchelei. Kein Wunder, dass man das Gefühl hat, die heutigen Teenager wären allesamt komplett verdorben."

Ethan: "Vielleicht sollte man fair sein und bedenken, dass es etwas mit Erziehung zu tun hat."

Stephen: "Es hat immer alles mit Erziehung zu tun. Und heute erscheint mir vieles sehr viel verlogener zu sein als in Zeiten, die man als verlogen und verklemmt bezeichnet hat."

Ethan: "Ich finde es trotzdem nicht in Ordnung, Kinder zu schlagen."

Stephen: "So, wie in früheren Generationen, meinst du?"

Ethan: "Ganz genau. Das bringt überhaupt nichts. Genau so wenig wie diese Kuschelpädagogik, in der man dem Kind wohl alles erlaubt."

Stephen: "Es wäre nicht richtig, zu behaupten, dass die Erziehung früher besser war, zumal man da sehr viel gleichgeschalteter nach bestimmten festgelegten Maßstäben erzog, aber dieses Antiautoritäre ist vielleicht noch schlimmer, weil es nicht mal mehr was gibt, wogegen man rebellieren kann."

Ethan: "Du und deine Rebellion ..."

Stephen: "Rebellion ist wichtig, um den Charakter zu formen. Aus braven, angepassten Kindern werden Spießer, und aus Kindern, die keinerlei Führung und Grenzen erfahren, wird gar nichts."

Ethan: "Was bin ich froh, dass sich deine Rebellion in Grenzen hielt ... Obwohl die Sache mit deiner Französischlehrerin und dem Union Jack schon grenzwertig war. Erst hast du sie nach ihren Socken gefragt, und als sie deine Bitte nicht verstanden hat und du diese statt des Union Jacks auf einem Transparent hast hissen lassen ... Also wirklich ..."



Ignoranz

©Lakewood - "Wir haben uns nichts mehr zu sagen ..."
Some rights reserved.
Das Bild stammt aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de



Stephen: (stöhnt) "Du bist wie eine Mutter, die bei jeder unpassenden Gelegenheit peinliche Geschichten aus der Kindheit des Sprößlings erzählt. 'Als du fünf warst, hast du Tante Edith mal den Spinat auf den Schoß gekotzt.'"

Ethan: "Also zum Thema Kotzen fällt mir noch eine Geschichte ein ..."

Stephen: "Ich habe keine Tante Edith, der ich Spinat auf den Schoß gekotzt habe!"

Ethan: "Aber du hast mal bei einer langweiligen Geburtstagsfeier - ich weiß nicht mehr von wem ... aber ich weiß, das war in unseren letzten Sommerferien - wohl etwas Schlechtes gegessen, Alkohol drauf gekippt und lautstark ins Gebüsch gekotzt. Direkt auf ein Pärchen, das sich dort vergnügen wollte."

Stephen: "Hab ich nicht."

Ethan: "Doch, doch. Dann meintest du auch noch, dass es schade um die schönen Socken wäre, und wir sind gegangen."

Stephen: (ernsthaft verwirrt) "Wessen Socken?"

Ethan: "Die des Mädchens im Gebüsch."

Stephen: "Also, an die Socken könnte ich mich unter allen Umständen erinnern ..."

Ethan: "Du und dein Sockentick ... Ich frage mich immer noch, wo du die alle lagerst und ob die nicht irgendwann miefen."

Stephen: "Du weißt doch, dass Mette dauernd welche wegwirft." (macht ein missmutiges Gesicht) "Außerdem riechen Socken nur, wenn der Träger Fußpilz hat."

Ethan: (zieht eine Grimasse) "Das will ich wirklich nicht in einer Feldforschung herausfinden ..."

Stephen: (grinst) "Jetzt bist du aber vom Thema abgekommen und wieder bei der Wollust gelandet."

Ethan: "Du steckst damit an." (zerrt Stephen zum nächsten Bild)



Fortsetzung folgt ...



(Autor: Youndercover)



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