BESUCH EINER AUSSTELLUNG
Die langjährigen Freunde Stephen und Ethan besuchen die Kunstausstellung der berühmten Iustitia, die mit ihrer kritisch modernen Auffassung der sieben Todsünden den Sprung zum Welterfolg schaffte. Während sie von Bild zu Bild wandern, unterhalten sie sich. Das Youndercover-Team hat das Gespräch eingefangen.
Teil 6: VÖLLEREI
Siehe dazu auch diesen Artikel: Völlerei.

Stephen: "Wollust ist ansteckend? Schön wär's. Denn dann würdest du dich ab und an ein bisschen mehr gehen lassen und zumindest die Völlerei für dich entdecken."
Ethan: "Soll ich etwa meine gazellengleiche Figur verlieren, wie du sie so schön nennst?"
Stephen: "Nun gut, Völlerei ist etwas zu viel des Guten, aber mit Genuss essen kannst du eben auch nicht. Du würdest nie mit den Fingern essen oder dir nachts eine Schokolade gönnen."
Ethan: "Mir ist das eben nicht wichtig. Du kennst mich doch schon seit meiner Kindheit. Meine Mutter ist regelrecht an meiner Appetitlosigkeit verzweifelt."
Stephen: "Nein, du bist unentspannt. Da liegt der Hase im Pfeffer."
Ethan: (seufzt) "Also bist du der Meinung, dass eine gewisse Art von Entspannung erforderlich ist, um überhaupt mal etwas 'Verbotenes' zu tun?"
Stephen: "Ja, und eine gewisse Gleichgültigkeit dem gegenüber, was andere über einen denken und für anstößig halten."
Ethan: "Und was ist, wenn es einem einfach nicht gleichgültig ist, was andere über einen denken? Ist das so verwerflich?"
Stephen: "Dass man nicht will, dass die Nachbarn über einen denken, man sei ein entflohener Sexualstraftäter, ist mir auch klar, aber warum ist es dir zum Beispiel wichtig, dass deine Nachbarn deinen Garten als ordentlich empfinden?"
Ethan: "Ich mag Ordnung. Mir wäre es ein Dorn im Auge, wenn da alles zuwuchern würde."
Stephen: "Hat dir das nicht vielmehr jemand eingeredet? Genauso wie, dass es unschicklich ist, mit den Fingern zu essen?"
Ethan: "Nun, aber wenn man damit glücklich ist? Wenn man mir das eingeredet hätte und ich immer einen Widerstand verspürt hätte, hätte ich wohl rebelliert. Aber wenn man zufrieden ist?"
Stephen: "Es macht dich glücklich, deine Rosenbeete zu fegen?"
Ethan: "Ja, es macht mir Spaß. Besonders nach einer anstrengenden Tournee oder einfach nach Stress."
Stephen: (stöhnt) "Ethan, wenn die Natur es so vorgesehen hätte, dass Gras in Reihen wächst, dann hätte sie es so eingerichtet. - Du gehst also auch nie nachts an den Kühlschrank?"

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Ethan: "Doch, manchmal ... Aber dann brauche ich lediglich etwas Milch für meinen Tee. - Also wirklich, lass mich doch einfach spießig sein!"
Stephen: "Du trinkst nachts Tee?!"
Ethan: "Ja, manchmal habe ich Lust darauf."
Stephen: "Oh Gott, Ethan, wie abgefahren! Isst du etwa noch einen Keks dazu?"
Ethan: "Du bist ein Arsch."
Stephen: "Weiß ich doch. - Aber du wirst doch wohl mal so ein richtiges Gelage abgehalten haben? Obwohl ... nein, da gibt es wohl keine Hoffnung bei dir."
Ethan: "Akzeptier einfach, dass ich fast 'makellos' bin."
Stephen: "Du bist so langweilig. - Okay, ich rede jetzt nicht von Fastfood und sinnlosem Fressen, um Probleme zu verdauen, wie es hier angedeutet ist. Aber denk doch mal an eine Festtafel mit Gegrilltem, mit Käseplatten, Brot, Salat, Obst, Wein ... das ist doch Genuss pur."
Ethan: "Du hast das klassische Bild der Völlerei vor Augen. Aber ich sage ja nichts dagegen. Solange man solche Gelage nicht jeden Tag veranstaltet ..."
Stephen: "Du hast so was noch nie veranstaltet. Die Male, die während einer Tour so was aufgefahren wurde, hast du mit einem Glas Wasser und einem Salatblatt stumm in einer Ecke gesessen."
Ethan: "Ja, und? Soll mich also dazu zwingen, ausgelassen zu sein, wobei wir dann wieder beim gesellschaftlichen Zwang wären, betont offen zu sein."
Stephen: "Ne, du bist einfach nur zu verklemmt, um dich gehen zu lassen."
Ethan: "Dich kann man auch nicht mehr umstimmen, hm?"
Stephen: "Ist Sturheit auch eine Todsünde?"
Ethan: "Ganz bestimmt."
Stephen: "Fällt unter Ignoranz, oder?"
Ethan: "Könnte man so interpretieren. - Wieso? Willst du eine Strichliste machen, welche Sünden du schon alle hast?"
Stephen: "Ich hatte eigentlich gehofft, dir ein paar anhängen zu können."
Ethan: "Dafür argumentierst du zu sehr auf meine Langweile und Spießigkeit hin."
Stephen: "Du kannst einfach unmöglich ein Heiliger sein!"
Ethan: "Wäre diese Feststellung so schrecklich für dich?"
Stephen: "Sie wäre grauenhaft. Aber ich denke, ich habe dann doch noch eine passende Sünde für dich gefunden." (zerrt Ethan zum nächsten Bild)
Fortsetzung folgt ...
(Autor: Youndercover)

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