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BESUCH DER
AUSSTELLUNG
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BESUCH EINER AUSSTELLUNG

Die langjährigen Freunde Stephen und Ethan besuchen die Kunstausstellung der berühmten Iustitia, die mit ihrer kritisch modernen Auffassung der sieben Todsünden den Sprung zum Welterfolg schaffte. Während sie von Bild zu Bild wandern, unterhalten sie sich. Das Youndercover-Team hat das Gespräch eingefangen.

Teil 1: WOLLUST

Siehe dazu auch diesen Artikel: Wollust.

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Stephen: "Schreibt man Wollust jetzt eigentlich mit zwei ll oder neuerdings mit lll?"

Ethan: "Man schreibt es immer noch mit ll. Zum Glück! Sonst sähe das genau so grausig wie bei Schifffahrt aus."

Stephen: "Diese Rechtschreibung ist einfach nur ein Graus. Dafür hat das Mädel geile Titten." (guckt mit schief gelegtem Kopf und lüsternen Blick auf das Bild "Wollust")

Ethan: (rollt mit den Augen, verschränkt die Arme vor der Brust) "Das war klar, dass dir das zuerst auffallen wird. Bei blonden, blauäugigen, üppigen Frauen bist du kaum zu stoppen. Hast du mich nur deshalb hierher geschleppt?"

Stephen: (grinst spitzbübisch) "Ich dachte, wir sollten uns mal kulturell austoben. Du beschwerst dich doch immer, ich sei oberflächlich."

Ethan: "Das bist du ja auch. Dir ist nicht einmal aufgefallen, dass die Künstlerin mit dieser Fotografie das moderne Verständnis von Sexualität in Frage stellt."

Stephen: "Ich wusste auch vorher schon, dass die Gesellschaft sexuell von Grund auf verdorben ist. Eigentlich sind alle total verklemmt und vorurteilsbehaftet, aber jeder meint, befreit durch die Gegend vögeln zu müssen."

Ethan: "Oder Frauen lediglich als vollbusiges, blondes Etwas abzustempeln, die schöne Füße haben." (blickt Stephen streng an)

Stephen: (tritt einen Schritt zurück) "Hat sie wirklich. Aber ich sehe schon ein bisschen mehr in Frauen als bloß Sex. Allerdings sehe ich weder einen Grund darin, mit jedem Mädel ins Bett zu gehen, noch einen darin, nicht mit einem Mädchen ins Bett zu gehen, das mir gefällt. Was bei den Leuten heute nicht stimmt, ist doch, dass sie sich entweder zwanghaft entsagen oder zwanghaft mit jedem vögeln."

Ethan: "Ich finde, du polarisierst wieder."

Stephen: "Dafür liebst du mich doch. Gib zu, dass du ohne diesen Kram von mir nicht leben könntest."

Ethan: "Ich weiß aber auch nicht, wie ich es schaffe, damit zu leben."

Stephen: (tätschelt unbeeindruckt seinen Arm) "Du magst mich eben. Da erträgt man so was. Und schon sind wir bei einem verlorenen Kulturgut: wahre Freundschaft. Du würdest mich doch aus einem brennenden Haus retten, vor wilden Schlägern und aus eisiger See, oder?"

Ethan: "Natürlich würde ich das tun, wobei ich hoffe, dass du so etwas Unsinniges nicht provozieren würdest."

Stephen: (setzt eine Unschuldsmiene auf) "Natürlich nicht. Aber ich weiß, du würdest. Und ich habe eben das Gefühl, dass wir in einer Zeit leben, in der Wollust sehr viel wichtiger geworden ist als solche Werte."

Ethan: "Ist sie auch ... Besonders, wenn man mal nach Mitternacht fern sieht ..." (wird ein bisschen verlegen)

Stephen: (sieht ihn erstaunt an) "Du guckst alberne Softpornos im Nachtprogramm?!"

Ethan: (schaut ihn entsetzt an) "Sehe ich so aus?! Wenn ich nicht schlafen kann, verfolge ich politische Diskussionen oder Dokumentationen. Da kommt man eben manchmal an solchen Filmen vorbei, wenn man umschaltet."



Wollust

Das Bild stammt von www.gif-co.de



Stephen: "Ja, ja. Politische Diskussionen, alles klar. Ich hoffe nur, dass dir bei solchen Softpronostreifen klar ist, dass keine Wollust ist."

Ethan: "Für wie naiv hältst du mich?"

Stephen: (wirft ihm einen nachdenklichen Seitenblick zu) "Ganz ehrlich?"

Ethan: "Okay, ich will es nicht wissen."

Stephen: "Ich meine ja nur - echte Wollust ist eben auch was anderes als das, was die meisten Leute darunter verstehen. Die meisten glauben, es ist ficken, aber Wollust ist sich verzehren, Leidenschaft, Glut, irre werden, wenn man den anderen nicht haben kann ..." (seufzt sehnsüchtig)

Ethan: "Hast du wieder Streit mit Mette?"

Stephen: "Was du immer denkst! Nein, hab ich nicht. Aber so ab und an muss man Wollust eben neu entfachen. Ist wie ein Feuer, das irgendwann runterbrennt und nur noch so vor sich hin schwelt."

Ethan: (ein bisschen unlustig) "Ich finde es trotzdem nicht in Ordnung, wenn du dir Anregung wo anders holst."

Stephen: "Woher denn sonst? Aus dem heimatlichen Kleiderschrank vielleicht?" (überlegt einen Moment) "Was machst du denn, wenn es zwischen dir und Holly nicht mehr so funkt?"

Ethan: "Das geht dich nichts an."

Stephen: "Also, wenn du dich darüber mokierst, dass ich andere Frauen als meine eigene ansabbere, kann ich dich ja wohl auch fragen, woher du so deine Anregungen holst, oder?"

Ethan: "Dein Sabbern ist ja schon so offensichtlich, dass man gar nicht drum herum kommt, es nicht zu erwähnen."

Stephen: "Und bei dir ist so offensichtlich, dass du total verklemmt bist, dass ich nicht drum herumkomme, mich zu fragen, wie ihr das Kind gebacken bekommen habt und ob ihr danach jemals wieder Sex hattet."

Ethan: "Du kommst aus dem Polarisieren ja überhaupt nicht heraus."

Stephen: "Du willst ja bloß nicht zugeben, dass es stimmt."

Ethan: "Und du musst unbedingt wieder das letzte Wort haben, hm?"

Stephen: "Sowieso. Aber das weißt du doch. Dafür hast du mir in all den Jahren nie erzählt, was deine sexuellen Vorlieben sind."

Ethan: "Die werde ich auch mit ins Grab nehmen. Du gehst mit deinen Vorlieben so offen um, dass es für uns beide reicht."

Stephen: "Wer jetzt hier wohl polarisiert ..."

Ethan: (zerrt ihn zum nächsten Bild)



Fortsetzung folgt ...



(Autor: Youndercover)



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