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Eine Menge Leute schreiben. Gedichte, Kurzgeschichten, Tagebuch, Blogs, manche versuchen sich gar an einem Roman. Dies machen heute sehr viel mehr Menschen als früher. "Schriftstellern" ist zum Hobby geworden und viele dieser "Autoren" träumen von einem eigenen Buch. Und da dies so ist, gibt es entsprechend viele Autorenforen, Literaturforen und Schreibwerkstätten im Internet.

Autorenforen haben alle eins gemeinsam: sie weisen eine Gruppe spezieller User auf, die einem jegliche Freude an solchen Foren nehmen kann.
Mir zumindest. Ich schreibe als Hobby und aus Spaß. Spaß könnte es auch machen, sich mit Gleichgesinnten darüber auszutauschen und sich gegenseitig zu beraten.
Dies ist angeblich der Grundgedanke bei all diesen Autorenforen. Aber bisher konnte ich mich nicht dazu durchringen, mich auch nur an einem zu beteiligen. Vielleicht habe ich sie ja zu lange und zu aufmerksam studiert.

Es beginnt damit, dass ein "gewisses Niveau" verlangt wird. Und dieses "Niveau" wird zumeist als erstes mit "wir legen Wert auf eine gute Rechtschreibung" definiert. Aha. Super gut Rechtschreiben können ist also ein Zeichen für Niveau.
Ehrlich gesagt: mir ist ein freundlicher Kommentar, der mir bei einer Frage entscheidend weiterhilft, aber ein paar Rechtschreibfehler aufweist, lieber, als intellektuelles, inhaltsloses Gewäsch in hyperkorrektem Deutsch.

Hinzu kommt noch: gerade diese "verkannten Marcel Reich-Ranickis der deutschen Literaturforen" wissen oftmals nicht, was konstruktive Kritik bedeutet. Sie gefallen sich als "scharfe Kritiker", die es als ihre Lebensaufgabe anzusehen scheinen, Texte anderer so bissig und spitzzüngig wie möglich auseinanderzunehmen und den Autor wie einen unbegabten Trottel aussehen zu lassen.
(Diese Gruppe neigt auch dazu, in regelmäßigen Abständen "Beschwerdethreads über das sinkende Niveau der Texte" im Feedbackbereich des Forums zu eröffnen.)

Ebenfalls unter "Niveau" fällt offenbar, dass man einen "Schreibkurs" besucht hat und somit alle Regeln, die allgemeinhin als "richtig" anerkannt werden, auf der Pfanne hat.
"Ein Roman hat so und so anzufangen, den und den Aufbau zu haben, so und so gestaltet zu sein, darf das und das auf gar keinen Fall haben" bla bla.
Es gibt nur dummerweise kein GESETZ, das vorschreibt, dass ein Roman tatsächlich so und so gestaltet oder aufgebaut sein MUSS. Letztlich sind solche Regeln allein aus dem entstanden, was sich über die Jahrhunderte herausgebildet und von Lektoren größerer Verlage als "richtig" angesehen wird.
Schreibkunst besteht an sich nur darin, den Leser mit der Geschichte und den Figuren zu fesseln. So lange dies gelingt, ist es vollkommen egal, welchen Aufbau so ein Roman hat. Er könnte auch rückwärts geschrieben sein, sofern der Leser dem folgen könnte.

Nun, einer Gruppe spezieller User ist dies ganz und gar nicht egal. Sie pochen immer und überall auf die Einhaltung solcher "Schreibregeln", auch in Momenten, in denen das gar nicht angebracht ist. Es ist jene Gruppe von Autoren, die die Welt zumeist mit langweiligen "Anekdoten aus meinem Heimatort" langweilen. Vermutlich haben sie deshalb so viel Zeit, in einem Autorenforum aktiv zu sein und zu allem ihren Senf dazu zu geben. Und wenn es nur darum geht, ob die Forumsglühbirne mal wieder ausgewechselt werden sollte.

Beispielhaft dafür, wie spaßtötend diese Gruppe sein kann, war ein Thread, in dem ein Autor einen Ausschnitt aus einer "Vorskizzierung" einstellte und eine spezielle Frage formulierte. Irgendwas, ob dieses oder jenes sein könnte oder richtig wäre. So eine klassische Autorenfrage im Prozess der Ideenfindung eben.
Nur ein einziger User beantwortete diese Frage. Der Rest wies auf Schreibregeln, Aufbau, Schwächen beim Beschreiben der Protagonisten und so weiter und so fort hin.
Der Autor erklärte nochmals, dass es sich lediglich um eine Vorskizzierung handele. Je nach dem, wie die Frage beantwortet würde, würde er den Text ohnehin noch mal neu schreiben.
Anstatt nun endlich auf die Frage einzugehen, verwickelte man den Autor in eine Diskussion darüber, wie merkwürdig seine Arbeitsweise doch sei. Zunächst wiederholte er noch geduldig, dass er eben erst einen roten Faden skizziere, ehe er wirklich zu schreiben beginne. Zunehmend wurde er dünnhäutiger, weil seine eigentliche Frage immer noch nicht ausreichend beantwortet worden war. Die Sache endete schließlich darin, dass der Autor seinen Account löschen ließ, als ihn jene spezielle Gruppe als "kritikunfähig" bezeichnete.



Autorenforen

© Jürgen Wald - "Bücher"
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Das Bild stammt aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de



Diese spezielle Gruppe zeichnet sich nicht nur durch ihr eindimensionales Denken und ihre Sturheit aus, man findet in ihr auch häufig Leute, die den Widerspruch leben, sich als "modern" zu definieren, es aber nicht fertig bringen, sich nach einem Jahrzehnt an die neue Rechtschreibung gewöhnt zu haben.
Wenn ältere Menschen, die nicht viel schreiben, lieber bei der alten Rechtschreibung bleiben, habe ich dafür durchaus Verständnis. Aber ein Schriftsteller wird es ja wohl schaffen können, statt "daß" "dass" zu schreiben. (Erbärmlich, dass sich Alt-68er heute darauf beschränken, gegen "dass" zu protestieren.)
Nicht, dass ich nicht auch mit einem "daß" leben könnte, aber es unterstreicht förmlich dieses sich Weigern, über den Tellerrand zu schauen und scheinbar feststehende Dinge zu hinterfragen.

Womit wir umgehend beim "Sich-an-den-alten-Dichtern-und-Denkern"-Festklammern wären. Auch ein Phänomen deutscher Autorenforen. Hier befinden wir uns jetzt bereits in den absolut elitären Kreisen und damit in Foren, in denen nur Autoren ihre Werke vorstellen dürfen, die bei einem "richtigen" Verlag publizieren.
Dies soll keine Verteidigung der Hobbybuch-Schwemme durch die pod-Verlage werden. Aber Fakt ist: an einen "richtigen" Verlag kommt man nur durch Vitamin B, Glück und ein Buch, das dem Lektor gleichförmig genug erscheint, um eine genügend große Zielgruppe zu finden. Sprich: Nischenautoren können so gut sein wie sie wollen, ihre Chancen, einen "richtigen" Verlag zu finden, bewegen sich gen 0. Und da ist dann gut, dass es pod-Verlage gibt. So können die Bücher trotzdem publiziert werden und vielleicht ein paar Leser glücklich machen.
Außerdem: ein "richtiger" Verlag steht nicht für Qualität. Es gibt bei "richtigen" Verlagen und bei pod-Verlagen gleich viel Schrott. Dennoch gibt es eine Reihe von Literaturforen, die pod-Autoren als minderwertig betrachten und kategorisch ausschließen.

In diesen elitären Foren sind dann also die "richtigen" Autoren und die "Literatur-Begeisterten" mehr oder weniger unter sich. Dieses intellektuelle Völkchen ergötzt sich dann an den Klassikern der deutschen Literatur - (ob sich schon mal einer von ihnen überlegt hat, warum Leute wie Goethe eigentlich so berühmt geworden sind?) - und stellt sich gegenseitig neue tolle Bücher aus "richtigen" Verlagen vor.
Super. Fast wie in der Schule. Aber jeder so, wie er eben mag.

Tragisch wird es, wenn man zudem regelrecht dazu genötigt wird, schulmäßige Kritiken zu verfassen. Man kann nicht einfach schreiben, was einem gut gefällt und was nicht, nein, es gibt Anleitungen zum Kritisieren und obendrein werden diese Kritiken dann auch noch bewertet.
Die progressiveren Mitglieder, die das Ganze lieber mit etwas mehr Spaß angehen würden (und sich vielleicht auch selbst nicht so furchtbar ernst nehmen), bemühen sich darum, die starren Prinzipien aufzuweichen. So finden sich im Feedbackbereich mindestens zwei Diskussionen über Bewertungskriterien und/oder Regeln. Natürlich haben sie gegen die erwähnten speziellen Mitglieder nicht die geringste Chance, weil es "diese Regeln ja immer schon" gegeben habe.

Schlussendlich drängt sich die Frage auf: was genau ist "Niveau" eigentlich? Kann ein Video, das zwar mit billigem Equipment produziert wurde, aber eine gute Idee beinhaltet (sprich: eine Geschichte erzählt, irgendetwas Bestimmtes ausdrückt) nicht auch niveauvoll sein? Ist er schlecht und niveaulos, weil das Equipment nur 200 Euro gekostet hat? Natürlich ist es vielleicht etwas verpixelt oder unscharf oder nicht richtig ausgeleuchtet, was die Qualität an sich mindert, aber das Niveau?
Ist ein Song niveaulos, weil er nicht in einem professionellen Tonstudio aufgenommen wurde? Ist ein Foto niveaulos, weil das Geld nur für eine 150-Euro-Digitalkamera gereicht hat? Ist ein Buch niveaulos, weil es nicht in einem "richtigen" Verlag erschienen ist? Ist ein Kommentar niveaulos, weil er ein paar Orthographiefehler beinhaltet?

Bergen Kreativität und das Handwerk an sich nicht viel mehr Niveau als das benutzte Werkzeug oder die Plattform, auf der das Werk präsentiert wird?
Wie viel Niveau hat jemand, der das Werkzeug und die Plattform als wichtiger erachtet als das Handwerk und die Kreativität an sich?
Oder anders herum gefragt: kann eindimensionales Denken, das Kreativität letztlich ausschließt, nicht ebenso niveaulos sein, egal, wie intellektuell es verpackt sein mag?



(Autor: Crazy Writer)



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