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GESCHICHTE
EINER EHE

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DIE GESCHICHTE EINER EHE

Teil 2

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Die eigentliche Geschichte begann, als die Jungs mich mit in den Pub um die Ecke nahmen. (Für Bier war komischerweise immer Geld da.) Eigentlich hatten Frauen in einem Pub nichts zu suchen, aber man wollte wohl nicht so sein. Dort trafen wir auf ein paar Bekannte der Jungs. An die meisten erinnere ich mich nicht mehr oder sie spielen für den Verlauf der Geschichte ohnehin keine Rolle.

Einer dieser Bekannten war jedenfalls Melcalm. Er fiel mir von vorne herein als "anders" auf. Nicht, dass er sich in den vordergründigen Ansichten unterschieden oder so gewirkt hätte, als sei er gefühlsbetonter. Zunächst lag es schon mal daran, dass er was Vernünftiges anhatte und selbstbewusster wirkte. Der Grund war schnell gefunden: er hatte einen Job. Und zwar als Polizist. Es erstaunte mich etwas, dass sich Dave an' his fukkin' bloody motorbike mit ihm an einen Tisch setzte, aber andererseits hatte ich zu dem Zeitpunkt bereits gelernt, dass man sich in dieser Stadt besser über nichts wunderte.

Da man mit Frauen ja nicht über Politik redet und schon gar nicht über Gefühlsdinge und Wetter irgendwann langweilig wird (obwohl Briten wahre Meister darin sind, sich über das Wetter auszulassen), griff man ein inzwischen beliebtes Thema auf (man hatte ja einen Gast aus Deutschland da): die Deutschen und die Briten, die deutsche und die englische Sprache.
Dave an' his fukkin' bloody motorbike behauptete zum 20. Mal das Wort "XXX" (weiß ich nicht mehr) sei deutsch, und ich erklärte ihm zum 20. Mal, dass ich das Wort noch nie gehört habe, und er erwiderte zum 20. Mal, dass ich kein Deutsch könne.
Ich amüsierte mich über den Deutschunterricht in der BBC - "Das ist ei-ne Post-kar-te. Das ist ei-ne Brief-mar-ke. Post-kar-te. Brief-mar-ke." / "Das ist Frau Fisch-er. Sie lebt in Bre-men. Sie hat einen Fisch-stand auf dem Fisch-markt." - und die Jungs machten sich einen Spaß daraus, das Wort "Post-kar-te" zu lernen.

Mit Mel kam ich hierbei gleich ins Gespräch. Er war wesentlich aufgeschlossener und interessierter als die anderen, stellte viele Fragen über das Land und die Sprache, woher ich kam, was ich dort machte, wie man in Deutschland Englisch lernt usw.
Irgendwann kam ich - den Zusammenhang weiß ich nicht mehr - zu dem Punkt, dass ich mit dem Wort "smooth" nichts anzufangen wusste. Vergessen oder vielleicht im Unterricht nie gehabt? - keine Ahnung. Er suchte nach einer einfachen Erklärung, nahm dazu meine Hand, rieb sie an der unrasierten Wange meines Nebenmannes - "rough" - und ließ dann ein Feuerzeug durch meine Handinnenfläche gleiten - "smooth".



Ehe02

Eigenes Bild - Nordengland



Wir blicken beide gleichzeitig auf, einander direkt in die Augen, er immer noch meine Hand haltend. Die Gedanken oder Gefühle in diesem Moment zu beschreiben, wäre sinnlos, wenn man nicht in heillosen Kitsch abgleiten will. Ich wusste jedenfalls, dass ich diesen Mann wollte, dass er mich wollte, dass er wusste, dass ich es wollte und wusste, dass er es wusste. Eine Begründung dafür gab es nicht. Es war einfach so. Die vielbeschriebene Romanszene, die tausend Mal gedrehte Filmszene des berühmten Blitzes, die Eingebung, feststehend wie eine unumstößliche Tatsache, die man tausend Mal als unrealistischen Kitsch abgetan hatte - da war sie.

In einer weniger traditionelle, verklemmten Gegend wäre man jetzt einfach zu ihm nach Hause gegangen und wäre übereinander hergefallen. Hier ging das nicht. Wir saßen also in diesem Pub, einander schräg gegenüber, er verlegen errötet, sich an seinem Bierglas festhaltend, plötzlich ziemlich schweigsam. Er sagte später mal, er hätte sich in seinem ganzen Leben noch nie so hilflos gefühlt und meinte, man müsse den Film in seinem Inneren, der von dem Wunsch geprägt war, sich mir auszuliefern - eine Phantasie, die ihm bis dahin vollkommen unbekannt gewesen war - von seinem Gesicht ablesen können. Er schämte sich für diesen Wunsch, war entsetzt über sich selbst, und konnte sich seiner trotzdem nicht erwehren.

Was ich in dem Moment dachte, weiß ich gar nicht mehr. Ich erinnere mich vor allem an die Gedanken später, dass ich ja nun mal bei den anderen Jungs zu Gast war und dort nicht einfach ausziehen konnte. Dass ich überlegte, wie ich aus der Nummer rauskäme, wie ich Mel wiedersehen konnte. Wobei mir zu dem Zeitpunkt keineswegs bewusst war, wie sehr man mich als Perces Eigentum betrachtete, was sich als die größte Schwierigkeit herausstellen sollte. Zudem war mein Besuch fast zu Ende. Ich konnte auch nicht länger bleiben, denn auch die Ferien waren zu Ende. Ich war zwar nicht mehr schulpflichtig, aber einfach nicht zum nächsten Schuljahr anzutreten, war für mich nicht denkbar.

Was genau hinter den Kulissen ablief, weiß ich nicht. Ich kann mich auch nicht genau daran erinnern, welche Zeitabstände dazwischen lagen, oder wie unruhig ich wegen der ganzen Sache war und was ich dagegen unternahm. Es war eine dieser schwierigen Situationen, bei denen sich die Gedanken stundenlang im Kreis drehen und man einfach nicht weiß, was man tun soll, ohne nicht irgendwem vor den Kopf zu stoßen.
Irgendwann kam David the good boy zu mir (schon daran, dass er wie ein Melder vorgeschickt worden war, erkennt man, wie ungeheuer "bedeutsam" die "Beziehung" mit Perce war) und erklärte, dass Mel mit Perce wegen einer "Ablösung" gesprochen habe.
Ich denke, ich habe ziemlich ungläubig aus der Wäsche geschaut, und David druckste ein wenig herum. von wegen, dass Mel Perce als Gastgeber ablösen wolle, sofern ich denn bei Mel wohnen wolle für den Rest meines Aufenthalts.
Ich begann zu begreifen und spielte mit, indem ich erklärte, dass ich selbstverständlich gern Mels Gast sein wolle, wenn er dies denn so großzügig angeboten habe und wenn es die Jungs nicht beleidige.
"No, no, but ..."
Aber?
"Well ... well ... Perce can't let thee go that easy ..."
Ich war noch verwirrter, bekam aber nicht heraus, um was es da eigentlich ging, dachte nur, dass es wohl was damit zu tun hatte, dass ich als "his girl" galt. Aber was dann folgte, hätte ich nicht für möglich gehalten ...



Fortsetzung folgt ...



(Autor: IGiveInToSin)



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