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EINER EHE

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DIE GESCHICHTE EINER EHE

Teil5

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Meine erste Zeit dort war - wie schon angedeutet - hauptsächlich damit ausgefüllt, den gemeinsamen Haushalt in Gang zu bringen, Läden zu finden, mich einzurichten und einen Job zu finden.
Ich stellte fest, dass englische Supermärkte nicht nur teuer und kompliziert sind, man bekommt auch nur selten das, was man sucht und vor allem kein wirklich frisches Gemüse, keinen genießbaren Käse, kein vernünftiges Brot - und auch dem Fleisch stand ich mehr als skeptisch gegenüber.
So trieb ich mich dann bald - zu Davids Verzweiflung - hauptsächlich auf den Basaren der indischen und pakistanischen Migranten herum. Denn dort gab es genau diese Dinge zu akzeptablen Preisen und zudem noch anderes nützliches Zeug wie z.B. Gewürze, ein Begriff, der der englischen Küche gänzlich unbekannt zu sein scheint.
Diese Basare befanden sich in der schmutzigsten Ecke von Leeds, zwischen alten Fabrikhöfen, in Hinterhöfen und verwinkelten Gassen, und wenn ich heute darüber nachdenke, kann ich sehr viel eher nachvollziehen, weshalb David immer Anfälle bekam, wenn ich diese nahezu mittelalterlich anmutenden Märkte ansteuerte. Ich fand sie einfach nur spannend, sehr lebhaft, sehr fremd und eben praktisch.

Der Alltag regulierte sich dann letztlich, als ich in der Jobbörse im Zentrum einen Aushang für eine Stelle bei einer Sportagentur in Manchester fand. Manchester ist eine Dreiviertelstunde mit dem Zug entfernt - also durchaus machbar -, die Arbeitsmarktsituation in Leeds war verheerend, und ich wusste nicht, dass die Verspätungen und seltsamen Vorgänge bei British Rail, die ich schon erlebt hatte, keine Ausnahme darstellten.
Also stellte ich mich bei der Agentur vor, die einen "Sponsoringkoordinator" suchte und behauptete wie üblich einfach, alles zu können (um es dann später zu lernen), woraufhin ich den Job bekam.

Er bestand hauptsächlich darin, Geschäftsleute dazu zu bewegen, Clubs oder einzelne Sportler zu sponsern. Sprich: durch die Gegend zu telefonieren, dann durch die Gegend zu gurken und irgendwelche Leute zu belatschen. Oder auf von der Agentur organisierten Veranstaltungen herumzustehen, zu lächeln und Geschäftsleute und Sportler einander vorzustellen und sie dann ihrem Schicksal zu überlassen.
Man bekam ein Grundgehalt - wobei man, sobald man sich in der Agentur aufhielt, aber auch gleich mal Mädchen für alles war - und konnte durch erfolgreiche Vermittlung Prämien kassieren.
Es war einer der anstrengendsten und letztlich auch ödesten Jobs - denn man führte nur die Vorgespräche über eine schon längst bekannte Sache, während die Verträge an anderer Stelle ausgehandelt wurden - die ich je hatte und haben sollte.



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Aber nun hatte ich einen Job, und es ergab sich ein Alltag, der darin bestand, dass ich vier- oder fünfmal in der Woche nach Manchester und zurück gondelte, während Mel Dienst hatte, der sich oft nicht auf nine-to-five beschränkte. So was gibt es bei der Kriminalpolizei anscheinend nicht. Schon gar nicht, wenn man in der Abteilung "Delikte am Menschen" (im Volksmund als "Mordkommission" bekannt) tätig ist.

Während dieser gemeinsame Alltag zunächst hauptsächlich aus "sich einrichten" und "sehr oft Sex haben" bestanden hatte, gewann Mels Job in der Folge nach und nach immer mehr an Bedeutung. Und zwar nicht, weil er so viel davon in die Beziehung getragen hätte, sondern, weil er eben nicht darüber sprach, was er dort erlebte und tat. Er war lange der Ansicht, diese beiden Dinge - Privatleben und Berufsleben - trennen zu müssen. Er wolle - so sagte er - über seinen Beruf nicht nachdenken, wenn er mit mir zusammen sei, und ließ mein Argument, dass es ihm aber manchmal nicht gelänge, diese Gedanken abzuschütteln, lange Zeit nicht gelten.
Auch über seine Vergangenheit sprach er nie, mit der Begründung, sie sei unschön und würde Hässliches in unsere Beziehung tragen. Er sei niemals in seinem Leben in irgendeiner Form glücklich gewesen, und jetzt, da er es wenigstens in der Zeit sei, die er mit mir verbringe, weigere er sich, diese damit zu beschmutzen.



Basar

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Das Bild stammt aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de



Tatsächlich war die Zeit, die wir zusammen verbringen konnten, immer sehr schön, innig und glücklich, sodass auch ich die Gedanken über seine Arbeit und seine Vergangenheit lange beiseite schob. Dass so etwas auf Dauer nicht funktioniert, ist klar.

Ich denke, das Thema begann, Einzug zu erhalten, als wir im Frühjahr nach unserer Hochzeit wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verhaftet wurden.
Wir hatten unsere Triebe generell nicht besonders gut unter Kontrolle und hatten wirklich überall und ständig Sex, und so kam es dann auch dazu, dass ich Mel dazu brachte, es auf dem - sehr breiten, langen und starken - Ast eines alten, mächtigen Baumes im Stadtpark zu treiben.
Ein empörtes Rentnerehepaar rief die Polizei, die uns - zum Glück NACH dem Orgasmus - aus dem Baum fischte und aufs Revier schleppte. Erst dort stellte sich heraus, dass Mels schon zuvor geäußerte Aussage, ein Kollege zu sein, der Wahrheit entsprach, indem Kollege XY aus der Abteilung Z dazu geholt wurde und Mels Identität bestätigte. (Ausweise hat man beim Vögel*, äh, beobachten im Park schließlich selten dabei.)

Die Reaktion dieses Kollegen änderte vieles. Ich erinnere mich sehr deutlich an den Satz "We told thee she'd cause trouble an' would turn thy life into a mess."
Danach auf dem Nachhauseweg gefragt, erklärte Mel, dass sein Kollegen- und Bekanntenkreis sehr skeptisch auf seine Pläne, mich heiraten zu wollen, reagiert habe. Immerhin sei ich sehr viel jünger als er und Ausländerin. Weiter nachgefragt, erfuhr ich, dass sich in der Gegend längst herumgesprochen hatte, dass wir ein reges Sexualleben hatten, und er mir nicht widerstehen könne. Er besaß den Ruf eines Pantoffelhelden und ich den einer Femme fatale, was in dieser verklemmten Gegend jedoch keineswegs als Kompliment galt, sondern eher in die Schublade "Schlampe" gehörte.

Ich fand das zunächst nicht sonderlich tragisch. Immerhin wusste auch jeder, dass David the hammer (nicht wegen seiner Tätigkeit als Handwerker, sondern wegen seines speziellen "Geräts", das ziemlich groß war und das mittlerweile jeder kannte), im Sommer frühmorgens nackt im Stadtpark joggte (weswegen er auch schon ein paar Mal verhaftet worden war) und dass David the honey (weil er so eine klebrige Art besaß), einer der wenigen mit einem Job, regelmäßig seine Putzfrau flachlegte, nachdem die ihm den Hintern versohlt hatte.
Es wusste jeder, dass es Dawn aus der fünften Seitenstraße von oben (von der Hauptstraße aus gerechnet) mit jedem ins Bett ging, der ihr dafür mindestens fünf Pfund gab, dass David the milkman (berufsbedingt so genannt) einsame Hausfrauen glücklich machte und dass Charly (der vermutlich auch David mit erstem Vornamen hieß) ein Verhältnis mit der Frau seines Nachbarn hatte.

Weitaus schlimmer waren die Vergewaltigungen in der Gegend, die vor allem im häuslichen Rahmen stattfanden. Die geprügelten Frauen, die von ihren besoffenen Partnern drangsaliert wurden. Über die redete aber komischerweise niemand, obwohl auch jeder wusste, dass es das gab. Schließlich gehörte das zum nächtlichen Alltag in dieser Gegend.

Ich verstand jetzt, warum Mel eine Heirat gewollt hatte. Zum einen wäre das Gerede über uns noch schlimmer gewesen, zum anderen hätte man mich womöglich als Freiwild betrachtet. Sonderlich ernst nahm ich die Sache jedoch trotzdem nicht und trieb Mel zur Verzweiflung, indem ich mich schon mal nackt ans Fenster stellte - besonders, nachdem ich festgestellt hatte, dass der Nachbar von gegenüber ein Fernglas besaß. Ja, ich bestand darauf, die Vorhänge offen zu lassen und es mitten am Tag zu treiben.
Die Folge waren ein um Vorhänge bettelnder (aber letztlich gehorsamer) Ehemann und eine Chips-und-Bier-Party im Haus gegenüber.
Als uns die Spanner auf der Straße dann nicht grüßten, sagte ich zu Mel: "Look, they're ashamed of bein' curious so why should we be ashamed of havin' good sex?" Natürlich laut genug, sodass sie es hören konnten.

Mel war der Meinung, ich mache es dadurch noch schlimmer. Ich vermute, dass es das der Wahrheit entsprach. Aber welchen Sinn sollte es machen, sich selbst als Ehepaar vor einer prüden, bigotten Gesellschaft zu verstecken? Ich appellierte also an seinen Stolz, etwas zu haben, wovon all die anderen nur träumten. Letztlich war es doch nur Neid. Jeder Mensch habe sexuelle Wünsche, die er zu erfüllen suchte. Er täte dies eben, während es sich die anderen nicht trauten. Er müsse aufhören, es als etwas Verbotenes, Schmutziges anzusehen.
"Well ... maybe it's a question of education", kam als Antwort, und ich denke, er fing in diesem Moment an, darüber nachzudenken, dass vieles von dem, was er dachte und annahm, empfand, fühlte, gar nicht auf ihn selbst zurückging.



Fortsetzung folgt ...



(Autor: IGiveInToSin)



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