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EINER EHE

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DIE GESCHICHTE EINER EHE

Teil 8

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Besonders im Gedächtnis haften geblieben ist mir ein Ausflug in die Moores zu Beginn dieser Zeit in Manchester, bei dem Mel davon sprach, wir würden einen Bekannten von ihm besuchen. Es war ein nahezu magischer Ausflug, was natürlich hauptsächlich an der Magie der Moores selbst liegt. Kaum vorstellbar, dass diese kahlen, endlosen Hügel einmal von Wald bedeckt waren. Irgendwelche frühen Siedler in grauer Vorzeit hatten sie abgeholzt und die Landschaft somit für immer verändert.
Diese Hügel sind in jeder Hinsicht besonders, in ihrer eigentümlichen Farbe, für die es keinen Namen gibt, in ihrer Gestalt, die immer den Eindruck von Unendlichkeit vermittelt, und in ihrer Energie, die ihnen zu entströmen scheint.

Sie beginnen gar nicht weit hinter den großen Städten, es gibt dort ein paar Ortschaften, aber sobald man sie betritt, verschlucken sie die Zivilisation förmlich, sodass man vollkommen auf sich gestellt zu sein scheint.
Ich hatte bereits vor dieser Zeit Emily Brontës "Wutherings Heights" (Sturmhöhe) gelesen, aber erst jetzt verstand ich, warum man in dieser Gegend so derart emotional reagieren und so verrückt werden kann, wie es die von ihr beschriebenen Figuren waren.

Wir verließen also die Zivilisation und tauchten in diese vollkommen eigene Welt ein. Es gab hier plötzlich nichts mehr - keine Häuser, keine Menschen, keine Pfade. Es gab ein paar Vögel und freilaufende Schafe (also nicht mal Schäfer trieben sich dort herum. Wie man die Schafe zum Scheren, Melken oder Schlachten einfing, weiß ich nicht. Alles, was sie in dem Gebiet hielt, waren "Schaffallen" an den ausfallenden Wegen). Die Schafe wurden so wild gehalten, dass wir gar ein totes fanden, das dort schon lange dort der Natur überlassen war mit blank gewaschenen Knochen unter Fellresten.

Mel meinte, sein Bekannter wohnte "irgendwo da auf dem dritten Hügel rechts" und versuchte, sich an irgendwelchen Punkten zu orientieren, die er sich mal bei einem früheren Besuch eingeprägt hatte. Es war ein bisschen so, als würde man einen Außerirdischen besuchen, denn wer hier lebte, konnte nur gaga sein.

Wir marschierten also ein paar Kilometer quer durch das Gelände - keine Ahnung, wie lang der Weg tatsächlich war, einen Hügel rauf und dann noch einen, teilweise von einem Graspoller zum nächsten springend, denn es sind eben Hochmoore, die teilweise auf einem matschigen Untergrund schwimmen. Gefährlich sind sie aber nicht.
Ich weiß nicht mehr, worüber wir uns unterhielten, kann mich lediglich an ein beliebtes Spiel erinnern: sich gegenseitig Naturvokabeln beibringen. Hierbei hatte ich einen eindeutigen Vorteil, denn Worte wie "Eichhörnchen" oder "Marienkäfer" stellten für Mel unüberwindbare Hindernisse dar. So blieb es beim "Aickhorncken" und beim "Märiänkaffer".



Hochmoor

Eigenes Bild - Hochmoor



Irgendwann trafen wir tatsächlich auf den Bekannten, der auf halber Höhe auf einem der Hügel einen alten Jagdstand zu einer Bleibe umgebaut hatte. Sowohl er als auch die Hütte sahen aus, als seien sie geradewegs aus dem Boden gewachsen. Und natürlich war er gaga. Aber er war auch so etwas wie ein weiser Naturphilosoph, der sich in diese Hügel verliebt hatte und nicht mehr ohne sie leben konnte. (Wie Mel ihn kennen gelernt hatte, weiß ich nicht genau. Soweit ich es verstanden habe, war der Mann mal als Verdächtiger in einem Mordfall vernommen worden.)

Wir sprachen sehr wenig und über nichts Bestimmtes, bis der Mann sich an mich wandte und mir - sinngemäß - erklärte, wenn ich seine Frau wäre, so würde er mir ein Schloss dort in den Moores bauen und mir dann den Schlüssel schenken, sodass wir unentrinnbar verbunden wäre.
"Wouldst thou live with me in this castle?", fragte er zum Schluss und starrte mich an.
"No, ta."
Er erwiderte nichts darauf, und wenig später machten wir uns auf den Rückweg.

Während Mel auf dem Hinweg die meiste Zeit vor mir hergegangen und einen Weg gesucht hatte, ging er nun die meiste Zeit neben mir und hielt meine Hand sehr fest, war sehr still und nachdenklich.
Die Stimmung war ohnehin merkwürdig. Nicht traurig, nicht freudig, irgendwas dazwischen, vielleicht kann man sie als sentimental bezeichnen, aber auch das trifft es nicht wirklich.
Bei einer Pause fand ich einen Stein, in den drei Gesichter eingraviert zu sein scheinen, je nachdem, wie man ihn dreht. (Ich habe ihn heute noch, aber sobald er aus dem Moores heraus war, war es sehr viel schwerer, diese Gesichter auszumachen.)

Unvermittelt entspann sich dann ein Gespräch, an das ich mich nahezu detailgetreu erinnern kann.
"But thou wouldst live in my castle if I'd built one, wouldn't thou?", fragte er.
"D'thou not built one?"
"Long time before."
"So we live in it, don't we?"
"Maybe we've done this since the world began." "Yes, maybe."
Lange Pause.
"Sometimes I've that feeling that this castle is built upon a lonely island", meinte er dann, ehe er den Kopf in meinen Schoß legte, sich an mich schmiegte wie ein zufriedenes Baby oder eine schnurrende Katze. "And thou art my boat."



Fortsetzung folgt ...



(Autor: IGiveInToSin)



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