HEIMARBEIT

Wer aus irgendwelchen Gründen zu Hause arbeiten muss oder will und zu diesem Zweck nach einer "Heimarbeit" in diversen Kleinanzeigen im Internet stöbert, wird alsbald daran verzweifeln oder ungläubig den Kopf schütteln.
Beginnen wir mit den seriöseren Anbietern, also jenen, die tatsächlich mal dazu schreiben, welche Tätigkeit sie vergeben wollen. Dies sind in der Regel Agenturen, die SEO-Autoren, Datensammler, IKM-Schreiber, Cam-Girls oder Telefonistinnen für Erotikhotlines suchen. Und schon da fragt sich so mancher, was das alles ist.
Nun ja, SEO-Autoren sind Texter, von denen erwartet wird, dass sie sich einen
Werbetext über ein ihnen unbekanntes Produkt z.B. Kaltwachsstreifen (natürlich
kennt jeder Kaltwachsstreifen, aber was zum Kuckuck ist nun an DEM beworbenen
Produkt so besonders, anders, neuartig, hm?) schreiben, in dem ein Keyword
wie z.B. "Kaltwachsstreifen Bikinizone" vorkommt - und zwar genau in dieser
Kombination! Sinnvoll wäre es, die beiden Keywörter zu trennen, also
"Man kann die Kaltwachsstreifen auch in der Bikinizone anwenden", aber das
darf man nicht. Man muss Unfug wie "Legen Sie den Kaltwachsstreifen
Bikinizone und ziehen Sie kräftig daran" verzapfen. Und das alles nur, weil
irgendwelche "SEO-Experten" glauben, irgendwelche User würden genau diese
Keyword-Kombination in eine Suchmaschine eingeben.
(P.S. Mit SEO ist letztlich nichts anderes als "Suchmaschine" gemeint.)
Was IKM-Schreiber sind, kann ich trotz gründlicher Internet-Recherche
immer noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Alles, was ich weiß, ist, dass es
was mit Schweinekram zu tun hat. Sprich: Man verfasst irgendwelche "erotischen"
Texte. (Also das, was sich die meisten Leute unter "Erotik" vorstellen. Ein
sinnlicher, gebildeter Mensch meint mit "Erotik" eine geheimnisvolle,
prickelnde Andeutung, alle übrigen verstehen darunter "Hallo, mein strammer
Hengst, ich möchte deine Stute sein.")
IKM-Schreiber scheinen auch sehr verschwiegen zu sein. Gibt man "Was ist ein
IKM-Schreiber?" bei Google ein, findet man zwar genau diese Frage, aber die
Antworten sind mehr als mau. "Ich mache das schon seit Jahren." (Ja, schön
für dich, und WAS machst du da nun genau?) Oder: "Lass bloß die Finger davon!"
(Okay, und wieso?)

Das Bild stammt von www.gif-co.de
Während man mit diesen Tätigkeiten nur relativ wenig verdient, aber doch
immerhin auf einigermaßen seriöse Art und Weise zu etwas Geld kommen kann,
gibt es da noch Unmengen von Angeboten, die man zumeist schon aufgrund des
Titels als "merkwürdig" aussortieren kann (und das sind die meisten).
Die ganz plumpen beginnen mit "Wollen Sie bis zu 5.000 Euro im Monat
verdienen?" (Nun ja, wer will das nicht?), die etwas Geschickteren locken mit
"Vergebe seriöse Heimarbeit".
Im Anzeigentext steht dann jedoch nichts außer irgendwelchen dubiösen
Versprechungen ("können Sie schon bald richtig viel Geld verdienen") oder
"Heißmachersprüchen" wie "am Ende des Geldes zu viel Monat übrig?", "wollen
Sie nicht auch bequem von zu Hause aus viel Geld verdienen?" oder "wollen Sie
Ihr eigener Chef sein?" Jedoch kein einziges Wort davon, was man für das
viele Geld eigentlich machen soll.
In der Regel findet sich dort nichts weiter als ein "Rufen Sie mich an" oder eine E-Mail-Adresse oder der Link zu einer Webseite, auf der man dann erstmal "Seminarunterlagen" bestellen muss, irgendein merkwürdiges Schneeballsystem erklärt bekommt oder man dazu aufgefordert wird, einen Onlineshop für "Wellnessprodukte" zu gründen. (Für die Werbung muss man dann natürlich selbst sorgen - und das ist im Internet oft schwerer, als man so denkt.)
Manche Anbieter eher unseriöser Tätigkeiten gehen recht geschickt vor,
indem sie eine seriös aussehende Anzeige schalten, in der der Posten z.B.
eines Administrators angeboten wird, dessen Tätigkeiten auch genau beschrieben
werden - Datenpflege, Moderation, Einhaltung rechtlicher Bestimmungen überprüfen
usw. -, sodass der Arbeitssuchende meint, man erhalte für genau diese
Beschäftigung eine Vergütung.
Bei Nachfrage entpuppt sich dies dann aber als Schneeballsystem, wobei
der vermeintlich mit technischen und rechtlichen Dingen beauftragte Administrator
sich sein Geld nur über die Masse an betreuten Mitgliedern (denen man ein
Abonnement aufschwatzen muss) verdient, jedoch kein Fixum für die ständig
anfallenden Arbeiten erhält. Im schlimmsten Fall betreut man da also einen
Haufen sabbernder Idioten (denn natürlich haben solche Systeme einen "erotischen"
Bezug), ohne jemals Geld zu sehen, weil man es nicht schafft, genügend Mitglieder
anzuwerben.
Folgender Satz in einer dieser "Verdienen Sie massig Geld für Nichtstun von zu Hause aus"-Anzeigen: "Fragen, worum es bei dieser Tätigkeit geht, werden nicht beantwortet" kann als eine Art Freudscher Versprecher eines genervten Schneeballsystemopfers angesehen werden, steht aber auch bezeichnend für einen riesigen Markt, in dem ein paar wenige daran verdienen, dass sich unzählige Leute, die vermutlich ganz dringend Geld brauchen, verzweifelt mit hirnrissigen Tätigkeiten abstrampeln.
(Autor: IGiveInToSin)

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