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EIN MÄDCHEN LERNT, LOSZULASSEN ... (NA JA, NICHT SO GANZ)

TEIL 2

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Es folgte das obligatorische Gespräch, das immer weiter in die sexuelle Ecke gebracht wurde, sodass es nur allzu logisch war, dass wir zur Sache kamen.

Zugegebenermaßen gefallen mir lediglich die Anfänge der Rollenspiele. Es interessiert mich, wie geduldig mein Gegenüber ist und wie wichtig ihm die Geschichte an sich und nicht der Akt ist. Diese anfängliche Aufregung, dieses Betasten und Beschnuppern, die Vorstellung, wie alles beginnt. Denn der Anfang kann immer anders sein ... Was man vom Akt leider nicht behaupten kann. Sex kann manchmal sehr monoton sein ... Doch dieses Flirten und Anpirschen verläuft sehr individuell, sodass ich zugeben muss, mehr Spaß daran zu haben.

Ich erinnere mich an eine Geschichte, die ich mir mit einem Chatter ausgedacht habe, die ich am liebsten zu Ende gebracht hätte, aber leider spielte mein Internet nicht mehr mit.
Es begann mit einem Klischee. Ich - eine laszive, frühreife Internatsschülerin, fahre mit den Eltern meiner besten Freundin in den Urlaub. 'Leider' versetzt meine Freundin mich, sodass ich mit den Eltern und besonders mit dem in meiner Phantasie attraktiven Vater allein bin. Als ich mit einem schicken schwarzen Cabrio abgeholt werde, sitze ich neben meinem Objekt der Begierde, schenke ihm eindeutige Zeichen.
Dabei sitze ich aufgeregt hinter meinem PC, versuche zu ignorieren, dass ich meine ausgeleierte Jeans und ein muffiges T-shirt anhabe. In meiner Vorstellung trage ich das schwarze aufregende Kleid mit Netzstrumpfhosen, Pumps und einem eleganten Hut, der mein blasses Gesicht verdeckt, sodass lediglich mein rot geschminkter Mund hervor blitzt.
Zufrieden zünde ich mir eine Zigarette an und lese, dass mein Gegenüber genau so reagiert, wie ich es mir vorstelle, und auf einmal geht alles aus.
Schock.
Panisch versuche ich, den PC zum Laufen zu bringen, doch Fehleranzeige. Warum musste gerade dieser Chatter einen so komplizierten Namen haben, den ich mir nicht merken konnte? Somit war es ein Ding der Unmöglichkeit, ihn wiederzufinden.
Ein Jammer ...

Doch zurück zu meinem seltsamen Exemplar eines Chatters.
Der Anfang war bei unserem Rollenspiel vielversprechend.
Auch wir begannen mit einem Klischee. Ein edler Raum mit Kamin und einem kuscheligen Bärenfell ...
Erstaunlich an diesem Szenario war jedoch, dass er derjenige war, der einen Striptease anbot. Eigentlich bin ich immer diejenige, die sich kunstvoll vor meinem Partner entblättert. Stück für Stück, mit vielen raffinierten und neckenden Bewegungen ... Die schließlich zum versauten Vorspiel überleiten ...
Doch nun war er derjenige, der mich mit Joe Cockers 'You can leave your hat on' beeindruckte.
Eigentlich ein schrecklicher Gedanke. In der Realität hätte ich das kitschig gefunden. Hier ist es was anderes ...
Sogar seine Aufmachung sagte mir zu. Eine schwarze Anzugshose, weißes Hemd und eine weinrote Weste sowie schwarze Schuhe und der obligatorischen Hut. Seine ausführliche Beschreibung lud mich regelrecht dazu ein, gespannt mitzulesen, mich locker in meinem Stuhl zurück zu lehnen. Sonst nicht meine Art. Aber warum nicht einmal mit dem gewohnten Muster brechen?
In diesem Moment war mir nicht klar, dass mich so einiges mehr mit diesem Mann verbinden würde.
Deshalb täuschte ich einen Internetausfall vor, als mir langweilig wurde. So wie bei allen anderen zuvor auch.



Mädchen01

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In meinen Augen vollkommen legitim. Ich habe es auch schon einmal fertig gebracht, einen Liebhaber einfach hinauszuwerfen, weil er es nicht brachte. Als er mir wie ein Hund über's Ohr leckte, war es für mich vorbei. Kein einziges erotisches Gefühl durchströmte meinen Körper. Jetzt wollte ich nur allein sein, sodass er wohl oder übel das Feld räumen musste.
So handhabe ich meine Affären. Wenn sie mir anstrengend werden, lasse ich sie fallen. Warum soll ich mich für jemanden anstrengenden, der mir kaum etwas bedeutet? 'Du bist doch nur dafür da, um mir einen Orgasmus zu beschaffen und wenn du nicht einmal das hinkriegst, kann ich mir auch selbst zur Hand gehen. Du bist ERSETZBAR.'
Harte Worte ...

Harte Worte, die dich niemals beeindruckt haben.
Auf einmal war alles ganz anders, als ich dich in mein Leben ließ.
Du bist nicht ersetzbar, egal, wie sehr ich es leugne.
Du hast mich durchschaut, und ich habe es zugelassen ... Das erste Mal in meinem Leben ... Vielleicht liegt es an der Art, wie wir uns kennen gelernt haben, vielleicht an der Entfernung, die uns trennt und etwas Sicherheit vermittelt ... Ich weiß es nicht.
Du hast definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Gedanken, die ich erst nach und nach zuließ.
Zuerst war es nur ein Spiel. Wir sahen uns hin und wieder einmal, spielten manchmal miteinander. Eine Zeitlang ließ ich mich wochenlang nicht mehr blicken, aber unsere Wege kreuzten sich immer wieder.
Auch an diesem einen Abend im Dezember. Ich glaube es war Anfang Dezember. Eine schwere Zeit ...
Eine schwere Zeit für Menschen, die sich nach den heilenden Strahlen der Sonne sehnen, die glauben, in dieser starren Dunkelheit verkümmern zu müssen. Die langen Wintermonate machen mir zu schaffen, obwohl ich eine Novembergeborene bin. Ich liebe die sonnigen, klirrend kalten Wintertage, doch von denen gibt es hier viel zu wenige, sodass ich wie in einen Winterschlaf verfalle. Ich hülle mich in ein Kokon aus Amüsement, Langweile, trübsinnigen Grübeleien und sexuellen Eskapaden. Das sind alles Maßnahmen, um nicht zu erfrieren, um nicht vollkommen im Stillstand zu versacken.

So war es auch hier, als ich ihm meine Nummer schickte. Einem wildfremden Menschen, dessen Persönlichkeit ich lediglich mit einem leichten Streifen eines Seidentuchs erfassen konnte.
Doch das war nicht das erste Mal, dass ich so leichtsinnig mit meiner Nummer umging ... Aber hier war ich mir sicher, dass er keinen Telefonterror veranstalten würde. Ich weiß nicht, warum ... Intuition? Ja, Intuition ... Eine Fähigkeit, die ich damals lange nicht mehr benutzte, zumal ich das Vertrauen in sie verloren habe.

Ich bin zerfressen von Selbstzweifeln, sodass ich nicht mehr auf meine innere Stimme hören kann, so gern ich es auch tun würde ...
Je mehr ich meine vernünftige Seite zu Wort kommen lasse, desto unsicherer werde ich. Ein Teufelskreis, dem ich nicht entfliehen kann. Verzweifelt horche ich in mich hinein, doch die Schotten sind dicht. Nicht nur meinen Mitmenschen sondern auch mir selbst gegenüber.



(Autor: SilverSkin)



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