PILATUS UND GURU
Neulich im Paradies ...
Teil 3

Pilatus: "Um noch mal auf die Affen zurückzukommen. Ich habe mich erkundigt. Es gibt da große Unterschiede bei den Affenarten! Bonobos pimpern ständig und mit jedem, bei Orang Utans ist das ganz anders, sie wählen ihre Sexualpartner sorgfältig aus!"
Guru: "Orang Utans sind ja auch wesentlich intelligenter und sozialer als der Mensch. Wussten Sie, dass Affen ihre Kinder vollkommen richtig behandeln - worüber der Mensch lacht und es "Affenliebe" nennt - während der Mensch versucht, seine unfertige Brut so früh wie möglich aus dem Nest zu schubsen?"
Pilatus: "Wäre ja auch zu schön, wenn man die eigenen Kinder bis ins Hohe Alter bepflegen muss, andersrum würde ein Schuh draus!"
Guru: "Quatsch. Affen machen es genau richtig. Sie behüten ihre Kinder, so lange die es brauchen. Und sobald das Kind anfängt, von sich aus selbstständig zu werden, lassen sie es gehen. Der Mensch kann bei beiden Dingen keine Grenze ziehen."
Pilatus: "Wussten Sie auch, dass eine Frau sich immer erst den richtigen Brutpfleger aussucht? Sie ist da wohl recht wählerisch, im Gegensatz zum Mann, der ja wohl nur darauf bedacht ist, so viel Samen wie es geht unter den Lebenden zu verteilen! Wissen Sie doch sicher auch, oder?"
Guru: "Auch das haben wir vom Affen. Das Weibchen sucht sich den stärksten und gesündesten Mann aus, der die Gruppe verteidigen und gesunde Nachkommen zeugen kann. Der Mann an sich ist nur daran interessiert, sich zu beweisen und zu vermehren."
Pilatus: "Also stammen wir wirklich vom Affen ab! Ich erinnere mich gerade an eine Geschichte um Aristoteles. Hat er nicht auch schon vor meiner Zeit den Affen mit dem Menschen verglichen?"
Guru: "Gut möglich. Alles, was in der Antike längst bekannt war, wurde später durch die Kirche verteufelt. Bestimmt haben die Christen den Teufel überhaupt nur erfunden, damit sie genug Leute missionieren konnten. Wer rennt schon freiwillig einem Guru hinterher, wenn er nicht vor irgendwas Angst hat?"
Pilatus: "Wie meinen? Der Teufel wurde von niemanden erfunden. Er ist nur eine Metapher des Bösen! Und schwupps wurde ein Name für ihn gefunden."
Guru: "Pff, das Böse. Was ist denn das Böse? Und wer bestimmt, was das Böse ist?"
Pilatus: "Natürlich der Mensch, dafür ist er doch bekannt, aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen und wenn das nicht mehr ausreicht, ist es eben der Teufel!"
Guru: "Nicht einfach der Mensch. Der religiöse Mensch. Wenngleich schon Steinzeitmenschen an irgendwelche Götter geglaubt haben müssen - als Erklärung für verschiedene Phänomene. Ich würde das Böde jedoch nicht als Phänomen bezeichnen."
Pilatus: "Haben Sie noch nie: "Ach zum Teufel...." gesagt? Sind Sie dann jetzt religiös? Und sagen Sie nicht, Sie hätten dies noch nie getan, genau so wie Sie sicher schon gesagt haben "Gott sei Dank!""
Guru: "So was sagt man schon mal, aber das hat doch nichts mit Religiosität zu tun. Nein, nein, ich glaube nur an mich selbst."
Pilatus: "Na, ich bin mir dessen nicht so sicher. Hat man einmal das Wort in den Mund genommen, ist schon ein wenig Glaube dabei!"
Guru: "Ach was, das ist doch Aberglaube, Pilatus."
Pilatus: "Jetzt schwimmen Sie aber schon ein bisschen, natürlich ist das kein Aberglaube!"
Guru: "Aber ja doch. Erstens: ich habe gar nicht "ach zum Teufel" oder "Gott sei Dank" gesagt, zweitens: wenn Sie behaupten, man sei so ein bisschen gläubig, weil man gängigen Wortschatz benutzt, glauben Sie doch was, was Sie gar nicht wissen können."
Pilatus: "Ja, gängiger Wortschatz ... nur, ich frage Sie: Woher kommt er? Macht man sich darüber keine Gedanken, wenn man ihn ausspricht? Sind es nur Floskeln oder steckt gar mehr dahinter?"
Guru: "Natürlich kommt er aus dem religiösen Bereich. Nur, bedenken Sie, wie stark das menschliche Leben über Jahrhunderte durch Religion regelrecht verseucht war."
Pilatus: "Ja, aber das heißt im Klartext, auch Sie sind durch die Religion beeinflusst."
Guru: "Ich denke, ich bin recht frei davon. Ich mache sie mir höchstens zu nutze."
Pilatus: "Wie machen Sie sich denn diese zu Nutze?"
Guru: "Wie Sie wissen, bin ich Guru von Beruf. Ich lebe also davon, dass Leute glauben, es ginge ihnen gut, wenn sie mir ihr Leben widmen. Ich bin aber ein anständiger Guru - ich beute meine Jünger nicht aus."
Pilatus: "Widmen denn viele Ihnen ihr Leben?"
Guru: "Ich führe eine erlesene Gurkentruppe durchs Leben."
Pilatus: "Sie führen Gemüse durch das Leben? Also das gibt mir jetzt schon zu denken."
Guru: "Es handelt sich natürlich um Menschen, aber sie sind so frisch, rein und gesund wie junge Gurken Haben Sie noch nie was von der kosmetischen Wirkung von Gurkenscheiben gehört?"
Pilatus: "Nein, hab ich nicht! Ist das anzuraten? - Aber haben Sie schon einmal etwas über die Sprungkraft von Mülltonnen im Stadtbereich gehört?"
Guru: "Haben die ollen Römer auch schon Sprungfedern gekannt?"
Pilatus: "Nennen Sie mich nicht schon wieder "oller Römer"!!! Nein wir hatten keine Sprungfedern, aber springen konnten solche Tonnen auch!"
Guru: "Wenn man dagegen trat?"
Pilatus: "Nein, wenn man sie anzündete."
Guru: "Wer hier wohl ein Schlingel ist."
Pilatus: "Also, ich nicht!"
Guru: "Sie haben doch gerade gesagt, Sie hätten in Ihrer Jugend Mülltonnen angezündet."
Pilatus: "Ja, haben Sie das nicht getan? Wir haben noch ganz andere Sachen angestellt, wenn wir nicht beobachtet wurden. Haben Sie nie etwas angestellt, Guru?"
Guru: "Wenn ich mich recht entsinne ... nein. Aber Gurus werden ja auch nicht geboren und wachsen heran. Nein, nein, sie tauchen irgendwann einfach aus der Wüste auf, geben einen klugen Spruch von sich - so was wie "des Nachts erscheint die Wüste wie ein Nebelstreif" - und dann hält sie die nüchterne Hälfte der Menschheit für einen Spinner und die religiöse Hälfte der Menschheit für einen Guru."
Pilatus: "Tauchen alle Gurus aus der Wüste auf, oder gibt es auch noch andere Möglichkeiten? Und mit Verlaub, aber für diesen Spruch würde auch ich als religiöser Mensch Sie für einen Spinner halten! Wo soll denn in der Wüste Nebel herkommen, das ist doch lächerlich! Wussten Sie, dass es acht verschiedene Nebelarten gibt?""

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Guru: "Ein Guru kommt aus der Wüste oder er kommt gar nicht. Sehen Sie - schon haben Sie einen Anker gefunden und sind mir auf dem Leim gegangen. Erst sagen Sie, dass es Quatsch ist, und dann fangen Sie eine Diskussion über Nebelarten an. Ich würde dann so was sagen wie: "es ist der Nebel, der über deiner Seele lastet, und er wird sich erst lichten, wenn du Erkenntnis erlangst. Diese Erkenntnis ruht in dir selbst. Du musst nur in einen speziellen Spiegel schauen, um sie zu finden.""
Pilatus: "Ich habe keine Diskussion angefangen, ich habe gefragt, ob Sie wissen, wie viele Nebelarten es gibt. Und jetzt kommen Sie mir bitte nicht damit, dass eine Frage der Anfang einer Diskussion ist, das weiß ich selbst! Ich wollte lediglich nur wissen, ob Sie wissen, was ich weiß! Da bedarf es keiner Diskussion!"
Guru: "Na eben - Sie wissen, dass eine Frage der Anfang einer Diskussion ist. Und genauso arbeiten Gurus. Sie geben etwas von sich, zu dem jemandem garantiert eine Frage einfällt. Und schon befinden Sie sich mit dem Guru im Gespräch."
Pilatus: "Ein Guru ist aber auch nicht mehr das, was er mal war, oder? Hat sich im Laufe der Zeit ganz schön gewandelt. Früher hatte das noch wirklichen spirituellen Hintergrund. Welche Lehre haben Sie eigentlich als Hauptthema, oder sind Sie einfach nur so Guru, weil es Spaß macht?"
Guru: "Was soll denn das sein: spiritueller Hintergrund? Letztlich haben alle Gurus das gleiche Thema: werde erleuchtet und finde dich selbst, komm dir selbst ins Reine und werde glücklich. Weshalb sollte ich also ein anderes Thema haben? Man bietet nur unterschiedliche Wege dafür an. Einige Gurus glauben selbst an das, was sie da tun, anderen geht es vor allem um ihr eigenes Glück."
Pilatus: "Sicher, sicher. Um was geht es Ihnen denn dabei?"
Guru: "Sowohl als auch. Wenn ich glücklich bin, kann ich dieses Glück an andere weitergeben und sie glücklich machen. Stellen Sie sich das doch mal vor: ein schlecht gelaunter Guru. Wer würde dem folgen wollen? Das Konzept ist also, dass Sie Ihr Glück vorleben und anderen versprechen, ebenso glücklich werden zu können. Denn obwohl die Menschheit so von Grund auf verdorben ist, sehnt sie sich doch nur danach, glücklich zu sein."
Pilatus: "Aber sind Sie wirklich IMMER glücklich? Also ich nicht. Es gibt Tage, da hilft auch kein Glaube."
Guru: "Nun ja, glücklich ... aber zumindest sollte man eine gewisse Grundzufriedenheit haben. Wenn Sie die nicht haben, brauchen Sie einen Guru. - Glauben Sie mir, die Sache mit der Kreuzigung hätte ohne die Auferstehung niemals funktioniert. Die Leute müssen daran glauben können, dass nach etwas Schlechtem immer etwas Gutes folgt, dass es Hoffnung gibt. Und vor allem müssen sie sagen können: "Das war echt blöd, aber jetzt geht es ihm ja wieder gut." Das christliche Konzept ist also nicht übel."
Pilatus: "Sie meinen also, die Auferstehung war eine ebenso geplante Sache, wie all die anderen Wunder?"
Guru:
"Was heißt geplant? Ich denke mir, dass es zu dieser Zeit noch leichter
war, den Menschen etwas vorzumachen, als heute. Denken Sie daran, wie
fasziniert Menschen heute noch von sogenannten Magiern sind, obwohl
sie heute wissen, dass das Tricks sind. Früher wusste man das nicht
unbedingt - und man konnte die Menschen sehr leicht mit ein paar
Tricks täuschen.
So könnte man die ganze Jesus-Geschichte locker entzaubern. Maria
war fremd gegangen und erklärte ihrem Mann, ihr sei ein
Engel erschienen und habe ihr verkündet, sie sei von Gott schwanger.
Josef war ein bisschen doof und glaubte das. Oder man erfand die
Geschichte später einfach, zumal es Gerüchte gibt, die besagen, dass
Josef und Maria einen ganzen Haufen Kinder hatten und Jesus war
bloß eins davon.
Es wäre auch möglich, dass Jesus eine historische Figur ist, deren
Leben man später etwas ausschmückte und in eine andere Richtung lenkte.
Oder dass man zwei historische Figuren miteinander verknüpfte. z.B.
der eine war Prediger und der andere ein Rebell, der von den Römern
ans Kreuz genagelt wurde.
Oder er kannte sich mit Medizin aus und heilte Menschen,
indem er sie einrenkte oder ihnen Medikamente gab - aber weil das
nicht weiter bekannt war zu dieser Zeit, schrieb man ihm Wundertaten zu.
Oder er war ein Organisationstalent - und die Geschichte mit der
Speisung zum Beispiel basiert darauf, dass er einen örtlichen Bäcker
dazu überredete, mal eben ein paar hundert Brote zu backen."
Pilatus: "Also ich finde Magier ja dermassen daneben ... solche dummen Tricks sind was für Kinder. - Ja, so wird es wohl mit dem Jesus gewesen sein, der alte Schwerenöter. Hat sich ganz schön was einfallen lassen und alle an der Nase herumgeführt und uns in Angst und Schrecken versetzt. Aber das haben scheinbar andere nach ihm auch noch getan, nur eben nicht in dieser Form. Da wurde es dann ernst."
Guru: "Wie? Was wurde ernst?"
Pilatus: "Ernst wurden dann die Kriege, die Raubzüge, die Verfolgungen ... Hexen, Juden ... das meine ich."
Guru: "Daran sieht man dann, wie doof der gemeine Mensch doch ist, wenn das alles ist, was er daraus gemacht hat. Leider haftet uns vieles von dem alten Aberglauben noch heute an."
Pilatus: "Tut es in der Tat, man hat auch nicht wirklich aus Schaden und Aufruhr gelernt, sondern vertieft es immer mehr."
Guru: "Bedeutet also letztlich, dass man die letzten 2.000 Jahre auch getrost vergessen könnte. Wirklich etwas geändert - also grundlegend - hat sich nämlich nichts."
Pilatus: "Nein, die Zeit und die Taten wiederholen sich nur eben in anderer Form an Gewalt und Herrschaft."
Guru: "Dennoch sind Sie ein Phänomen. Sie wissen nicht, was ein Fernseher ist, aber Sie wissen, wie die Menschen heute so ticken. Natürlich wiederholen sich Zeiten und Taten, und Menschen sind in ihrer Basis immer gleich dumm - aber ein bisschen anders ist es durchaus. Hatten Sie einen Crashkurs oder so was?"
Pilatus: "Na hören Sie mal, ich hatte schliesslich Zeit, mich mit der neumodischen Technik zu befassen und habe sie für gut befunden. Ich habe eine Menge gelernt und gelesen und gesehen, ich bin ja schliesslich nicht doof! Sondern Autodidakt! - Crashkurs? Was ist das denn nun schon wieder?"
Guru: "Sehen Sie - das meine ich. Sie sind merkwürdig. Oder Sie haben im Crashkurs "2.000 Jahre in drei Tagen aufholen" nicht richtig aufgepasst. Bestimmt haben Sie an der Stelle mit den Fernsehern und dem Crashkurs gepennt. Geben Sie es doch einfach zu."
Pilatus: "Ich bin NICHT merkwürdig! Sie sind ganz schön Angriffslustig mein lieber Herr Guru! Und pennen muss ich nicht mehr!"
Guru: "Wieso haben Sie das Kapitel denn dann verpasst, hm? Haben Sie Ihren Kaktus gestreichelt und dabei Cleopatra angeschmachtet?"
Pilatus: "Cleopatra ... die kam doch ständig nur im Teppich daher, nichts für mich! Und meinen Kaktus streichele ich ganz sicher nicht! Nein, ich hab eben bisher noch nicht die Zeit gehabt, mich so zu informieren, dass ich lückenlose Geschichte bieten kann. Mir fehlen halt 2000 Jahre, wie soll ich die denn in der kurzen Zeit nachholen? - Übrigens habe ich gerade einen Streifzug durch die deutschen Lande gemacht!"
Guru: "Wollten Sie mal nachschauen, was aus dem römischen Reich geworden ist?"
Pilatus: "Wollte ich, genau. Und ich muss sagen, nicht schlecht!"
Guru: "Also, mit Limes fand ich Deutschland irgendwie besser ..."
Pilatus: "Mit Limes fanden Sie Deutschland besser? Es gibt doch noch ein paar Befestigungsanlagen ... bauen Sie die doch wieder auf. - Ein Scherz meinerseits, ich entschuldige mich dafür."
Guru: "Ich bin doch kein Architekt. Außerdem stehe ich für die Freiheit des Geistes."
Pilatus: "Ach, für die Freiheit des Geistes? Na dann legen Sie mal los!"
Guru: "Was soll ich da loslegen? Der Geist ist frei, also kann er alles denken und tun, was er will, auch dann, wenn der Körper hinter Mauern gefangen ist."
Pilatus: "Ja, aber wie kommt der Geist raus, wenn der Körper hinter Mauern gefangen ist? Schreiben Sie Briefchen an Ihre Jünger, oder was?"
Guru: "Indem er sich bewegt und sich die Dinge, die der Körper nicht erreichen kann, einfach vorstellt. Phantasie, Pilatus, Phantasie."
(Autor: Youndercover)

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