PLÖTZLICH SINGLE -
UND WAS MACHE ICH JETZT MIT MEINER ZEIT?

Es ist Samstagmorgen. Ich lebe in einer perfekten Beziehung – finde ich. Mein Verlobter benimmt sich seltsam. Aber okay, die Hochzeit steht unmittelbar vor der Tür. Da kann Mann schon mal kalte Füße bekommen. Versteht Frau ja alles. Also nichts wirklich Dramatisches. Liegt bestimmt daran, dass ich heute das Hochzeitskleid kaufen will. Er ist sicher ebenso aufgeregt wie ich. Denke ich mir, als er mich vor dem Brautausstatter aus seinem Wagen steigen lässt.
Abends komme ich heim und habe:
Nichts mehr.
Ich habe die Tüte mit dem Kleid in der Hand und sehe einige Blätter auf
meinem Laptop liegen. Warum ich wusste, dass es keine dreiseitige
Liebeserklärung ist? Ich weiß es nicht. Aber ich wusste es.
Ich lese also, dass ich nun Single bin.
Was tut Frau? Sie ist verzweifelt und ruft Freundinnen an. Klar, sind diese gerade nicht daheim. (Samstagabend. Was erwartest Du?) Also bleibst Du wach bis morgens um 8. Da kann man dann schon mal die Familie anrufen. Die sind Kummer gewöhnt.
Samstagmorgen noch verlobt, Samstagabend Single und nun?
Ich versuche, die Sache zu verarbeiten. Wie? Man geht Freunden auf den Nerv.
Sie müssen sich deinen Müll anhören, ob sie wollen oder nicht. Sie tun es.
Es sind Freunde und sie lieben Dich.
Aber dennoch stellst Du mit Erschrecken fest, dass Du jetzt viel mehr Zeit
hast. Mehr, als Dir lieb ist.
Was tun?
1. Eine Flasche Rotwein trinken und dann auf den Gedanken "keiner mag mich,
keiner hat mich lieb" kommen.
2. Deine Freunde kriegen das spitz, und Du hast das Gefühl: "Ach, ich bin ein
Mensch und lebe noch?"

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Verdrängung und so weiter haben wir durch. Also melden wir uns bei einer Single-Börse im Internet an. Wie grottig. Da ist Frau ja dann nur noch Freiwild. Also postwendend wieder abmelden (in der Hoffnung, keine Kosten dadurch zu haben.)
Aber: Es ist noch immer zu viel Zeit übrig. Was tun?
Ein gutes Buch ... Super Idee. Plötzlich gibt es aber leider keine Bücher
mehr, die nicht vor Herzschmerz triefen würden. Also weg damit. Wieder
zurück zu den Freunden. Sie sagen Dir artig, dass Du doch noch was wert
bist. Fein. So fühl ich mich aber nicht.
Weiter im Text. Da muss doch was zu machen sein.
Ich habe Zeit. Hilfe hab ich Zeit ...
Bude putzen (so sauber war es hier noch nie).
Ich habe keine Wäsche mehr, die ich waschen könnte.
Ich bin jetzt mit mir allein - wie grausig.
Versagt auf der ganzen Linie. Aber das kann es doch auch nicht sein.
(Und sehen will man es ja auch nicht).
Also wieder auf ins Internet-Single-Leben (Partner xy und so). Leben? Hier
wohl nicht. Also schnell wieder abmelden.
Bücher, ja, es muss Bücher geben, die diese Situation kennen. Ja, die gibt es.
Aber das Schlechte daran? - Sie haben alle ein Happy End. Mist. Hätte ich
mir denken können. Also schnell weglegen.
Habe ich noch eine Daseinsberechtigung? Das wird mit Freunden besprochen.
Sie hören sich deinen Müll zum 100. Mal an und tun noch immer so, als wäre
es neu. Sie sperren die Ohren auf und lächeln dich an und sagen keine blöden
Sätze wie "die Zeit heilt alle Wunden" oder "Wer weiß, für was es gut ist."
Nein, ihnen ist ob deines Gejammers schlecht und sie können es nicht mehr
hören. Aber sie sagen es Dir nicht. Es sind eben Freunde.
Bleibt immer noch die Frage:
Was mache ich jetzt mit der Zeit, die ich übrig hab?
Ganz einfach: Nix. Es gibt keine freie Zeit. Denn dazu müsste man sich
befreien und wer will schon frei sein?
(Autor: Dejavu)

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