ZUSCHAUERDEMOKRATIE

Es ist schön, dass wir in einer Demokratie leben und dass totalitäre
Regierungsformen lange hinter uns liegen. Darüber können und sollten wir
froh sein, denn es gibt immer noch viele Länder, in denen dies nicht der
Fall ist.
Aber ... - so ein klein wenig mehr Mitbestimmung wäre noch schöner ...
Der eigentliche Souverän in einer Demokratie ist das Volk. Nur - so richtig
viel merkt man davon in Deutschland nicht. Stattdessen macht sich die
viel zitierte "Politikverdrossenheit" breit.
Wieso denn bloß? Also, ich kenne kaum jemanden, der sich nicht für Politik
interessieren würde, denn Politik betrifft jeden und sei es nur, wenn im
eigenen Dorf eine neue Straße gebaut werden soll.
Die "Verdrossenheit" bezieht sich also auf die Parteienpolitik, Politiker im
Allgemeinen und darauf, dass man mit demokratischen Wahlen nicht viel
bewegen oder verändern kann.
Es ist doch so: alle vier Jahre darf der Bürger - also der Souverän - zwischen zwei Übeln entscheiden und muss dann zugucken, was das gewählte Übel alles so anstellt.
Im Falle des Bundespräsidenten - der Mensch, der uns (also "das Volk") im
Ausland, bei Veranstaltungen etc. offiziell vertritt - ist es noch schlimmer:
der wird von der Bundesversammlung gewählt, die mal vom Volk gewählt wurde,
woran sich aber meistens keiner mehr so richtig erinnern kann.
Da sitzen irgendwelche Abgeordneten rum, die die Kandidaten der Parteien
begutachten und anhand irgendwelcher Strippen, Vitamin B und Mehrheiten
entscheiden, dass ein Horst Wer? das Volk vertreten soll.

©Uschi Pohl - "Der Zwölfte ist gegangen"
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Das Bild stammt aus der kostenlosen Bilddatenbank
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Warum gibt es für so was keine Castingshow? In Deutschland gibt es doch für alles
Mögliche Castingshows. "Superstars", "Topmodels" ... wieso nicht für solch
wichtige Ämter, die jeden angehen?
Das muss ja nicht nach RTL-Manie ablaufen. Die Kandidaten müssen ein bestimmtes
Bewerberprofil erfüllen und dann stimmt das Volk darüber ab, von wem es sich gern
vertreten lassen möchte.
Jede Wette: ein Horst Wer?, eine Frau von der Leyen oder gar
ein Herr Wulff würden es hierbei vermutlich nicht mal in die Endrunde
schaffen. Der letzte Bundespräsident, der eine wirklich allgemeine, breite
Zustimmung besaß, war Richard von Weizsäcker. Der besitzt das nötige
Charisma und war NIE peinlich.
Ähnliches gilt für Ministerpräsidenten und den Bundeskanzler. Minister wählt das Volk ohnehin nicht, den Kanzler nur indirekt. Man wählt die Partei, mit deren Programm man sich am ehesten identifizieren kann, ein Programm, das dann natürlich NICHT in die Tat umgesetzt wird.
Wir haben ja nicht mal Volksabstimmungen. Gäbe es über wichtige Gesetze
und Beschlüsse Volksabstimmungen, wäre es mit der "Politikverdrossenheit"
ziemlich schnell vorbei.
Die meisten Leute haben vielleicht keine Lust, wegen einer Partei, die ihre
Erwartungen nicht erfüllen wird, zur Wahl zu gehen, aber die Wahlbeteiligung
würde sprunghaft nach oben schnellen, wenn es um "Soll der griechische
Staat unterstützt werden?" oder um "Sollen die regenerativen Energien ausgebaut
werden?" ginge.
Wir werden aber nicht gefragt. Zu nichts. Wir wählen weiterhin eine Partei,
die uns irgendwelche Minister vor die Nase setzt, bestimmt, wer uns im
Ausland blamieren darf und welche Entscheidungen gefällt werden.
Das Volk lehnt sich derweil zurück und guckt zu. Zunehmend verdrossen.
(Autor: IGiveInToSin)

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